Berit Walch – ein bereinigender Sturm der durch ihr Leben fegte

Wurden wir nicht alle schon einmal verlassen oder man brach uns das Herz? Waren wir nicht alle schon einmal todunglücklich weil uns die Liebe einfach einsam zurück gelassen hat? Egal ob als Teenager oder Erwachsener, es tut weh, verletzt zutiefst und hinterlässt Spuren. Kleine Narben die für immer bleiben.

Als ich das Buch 30 Tage nach Tim , das bei Forever by Ullstein erschienen ist,  entdeckte wurde meine Neugierde geweckt und schnell landete das Buch auf meinem eReader, denn es handelt vom diesem „verlassen werden“. Ich fand aber nicht nur ein Buch zum mit heulen, mit fiebern und mit leiden, sondern auch eine Autorin, die ein riesen Herz besitzt.

Mein Lieben, die wunderbare Berit Walch

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Berit arbeitet als Journalistin und Head of Development für die ProSieben Tochter Redseven Entertainment. Aber wenn sie nicht gerade Shows wie „Mein Mann kann“ erfindet, gehört ihre ganze Liebe ihrer kleinen Familie. Sie lebt mit Mann und ihrer süßen Zwillingen in der Nähe von München und das Schreiben gehört schon immer zu ihren größten Leidenschaften

Schon als kleines Mädchen liebte ich es, Geschichten zu schreiben. Ich schrieb über Kaulquappen und Baumhäuser, darüber, wie es wäre Forscherin zu sein, über Räuber, die sich im Park versteckten und Wassermänner, die in Flüssen lebten. Als ich dann als 10-Jährige einen Schreibwettbewerb gewann, der Bürgermeister mir die Hand schüttelte und ich staunend feststellte, dass sogar ein Fotograf ein Bild von mir wollte, beschloss ich, Schriftstellerin zu werden. Aber wie das mit Kindheitsträumen so ist – es sind eben Träume, und mit denen verdient man kein Geld. Ich wurde Journalistin beim Fernsehen. Immerhin, hier durfte ich schreiben. Ich schrieb mal Moderationstexte, mal Treatments. Ich schrieb Drehbücher und Konzepte.

Letztlich aber schrieb ich Papier voll. Über das, was ich liebte, schrieb ich nicht. Vielleicht wäre das auch für immer so geblieben, wenn ich nicht Mama von zwei Frühchen geworden wäre. Diese beiden Winzlinge (die heute gar nicht mehr winzig sind, sondern 3 Jährige propere Jungs) sorgten dafür, dass ich mich daran erinnerte, wer ich wirklich war, und was ich wirklich wollte. Als ich mit ihnen Stunden, Tage und Wochen, in einem Klinikzimmer auf einem Klappstuhl verbrachte, stand meine Welt still. Als hätte jemand auf eine Bremse getreten. Das Leben, durch das ich bis dahin gehetzt war wie eine Getriebene, spielte sich in Slow-Motion ab. Es gab nur mich, den Stuhl, meine beiden Kinder auf meiner Brust – und – meine Geschichten. Mal dachte ich sie leise, mal erzählte ich sie den Zwillingen in ihr Ohr. Sie waren unsere Begleiter in einer kleinen, surrealen Welt, einem Klinikraum der Neointensiv München.

Als ich meine Zwillinge dann endlich nach fast 3 Monaten Klinik über die Türschwelle in unser Zuhause trug, war es, als hätte man mich aus einem Käfig entlassen. Ich war nicht mehr Stunden um Stunden an einen Stuhl gefesselt. Ich durfte meine Kinder aus ihrem Bettchen heben, ohne vorher eine Schwester zu fragen. Ich konnte sie auf dem Arm herumtragen, ohne sie vorher von Kabeln und Schläuchen zu befreien. Ich war frei. Meine Kinder waren frei. Und weil sie das Känguruhen nicht mehr brauchten, sondern in ihren Bettchen schliefen, hatte ich plötzlich unendlich viel Zeit. Und so begann ich nach Jahren, wieder eine Geschichte zu schreiben. Eine lustige (schließlich hatte ich die Wochen zuvor genug Tränen vergossen). Ich schrieb über eine junge Frau, die in München lebt, und taufte sie Milla. Ich schrieb über Milla, die von ihrer großen Liebe Tim verlassen wird, und dadurch in ein riesiges Chaos schlittert. Ich schrieb „30 Tage nach Tim“. Wenn ich das Cover des Buches heute betrachte, dann weiß ich, dass das Schrecklichste, das Dir im Leben passieren kann, manchmal das Beste in Dir hervorbringt.

Wie reagierte denn deine Umwelt?

Der Facebook Kommentar einer lieben Arbeitskollegin fasst die Reaktionen, die mir am häufigsten begegnen, sehr treffend zusammen: „Ein Roman? Mit Zwillingen?? Wie viele Stunden hat denn Dein Tag???“ Natürlich hat auch mein Tag nur 24 Stunden und die sind ziemlich vollgestopft mit den twins, meinem Job, Haushalt, etwas, das annähernd an Schlaf erinnert oder der Traditionspflege wie meine Mädelsrunde. Trotzdem quetsche ich in diese Tage Schreib-Sessions. Schreiben ist für mich Entspannung. Wenn die Gedanken sich verselbstständigen, begleitet vom rhythmischen „Klack, Klack“ meiner Finger, die über die Tastatur fliegen – Das hat schon fast etwas Meditatives. Nicht immer steht dann hinterher etwas Sinnvolles auf dem Bildschirm, aber ich muss ja auch nicht zwingend alles, was ich schreibe, veröffentlichen ;-). Einiges landet einfach im Ordner „WTF – Was war das denn?!“ Und wenn ich mal schlechte Laune habe, lese ich mir durch, was ich für verrücktes Zeug zu Papier gebracht habe.

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Als Tim plötzlich aus Millas Leben und ihrer Altbauwohnung verschwindet, bricht für sie eine Welt zusammen. Doch dann stürzt sie sich kopfüber in ihr neues Single-Dasein. Sie hat einen One Night Stand mit dem wilden Barkeeper Ron (bei dem alles anders läuft als geplant) beginnt eine Affäre mit Tims Chef (der verheiratet ist, wie sich herausstellt) und unternimmt eine abenteuerliche Rucksackreise nach Thailand (die das Chaos schließlich perfekt macht). 30 Tage zwischen Trauer und neuer Lebenslust, voller Pleiten, Pech und Pannen, einem überraschenden Wiedersehen und der Frage: Wird Milla Tim zurückerobern oder besser: Will sie ihn überhaupt zurück? Das dicke Ende kommt – wie immer – zum Schluss

Wie sehr haben deine Zwillinge dein Leben verändert? 

Sie waren wie ein bereinigender Sturm, der durch mein Leben gefegt ist. Moment, das trifft es noch nicht. Die Zwillinge waren ein Orkan, der alles in meiner Seele und meinem Leben durcheinandergewirbelt hat. Kein Stein steht seither mehr auf dem anderen. Mal abgesehen davon, dass ich seitdem kaum noch schlafe, ich meinen Urlaub statt in Thailand im Bayerischen Wald verbringe und für Wege, die ich früher in 2 Minuten zurückgelegt habe nun 30 Minuten brauche (Ich sage nur -„Oh, Mama, eine Schlange!“ -„Das ist keine Schlange, das ist eine Nacktschnecke!“ -„Was macht die da?“), haben Nik und Jona meine Prioritäten neu geordnet. Die Dinge, die vor meinen Kindern einen unfassbar großen Stellenwert für mich hatten, wie Karriere, sind mir heute (so ziemlich) wurscht. Das, was mir vorher (so ziemlich) wurscht war, wie Gesundheit, erkenne ich nun als höchstes Gut. Meine Kinder haben mich – vielleicht auch durch unsere schwere Geschichte – vor allem eins gelehrt  – Demut. Ich begegne den Kleinigkeiten, die mein Leben bereichern, mit unendlicher Dankbarkeit. Wohlwissend, dass all das nicht selbstverständlich ist…

Wer war zu Beginn dein größter Kritiker und ist er es heute noch?

Definitiv mein Mann. Ich nenne ihn liebevoll den KRITL. Er beäugt erstmal alles, was ich so treibe, seeehr skeptisch. Ob das eine neue Idee für ein TV-Format ist, oder der Plot für einen Roman. Das ist überaus hilfreich, denn – das gebe ich allerdings nur ungern (und aus Prinzip nie sofort) zu – sein kritischer Geist spuckt hier und da kluge Einwände aus. Manchmal ist so ein angeheirateter Kritiker aber auch frustrierend: Als ich ihm zum Beispiel jubelnd erzählt habe, dass mein Roman veröffentlicht wird, hat er doch tatsächlich gesagt: „Er wird 3 Downloads haben. Einen von Dir, einen von mir und einen von Deiner Mutter!“ Es ist schön, dass er nicht immer Recht behält…

Was inspiriert dich?   

Alles und jeder. Die Eindrücke, die mich den lieben langen Tag überfluteten, sauge ich auf wie ein Schwamm und dann sprudele ich über vor Ideen. Beim Schreiben strömt all das als geistiger Erguss aus mir heraus – Gott sei Dank, ich würde sonst platzen. Deswegen baue ich auch so ziemlich alles, was ich erlebt habe, was Bekannte erlebt haben, oder das, was Bekannte von Bekannten erlebt haben, in meine Geschichten ein. Die lustigsten Anekdoten erzählt mir mein Alltag und das Leben selbst schreibt die spannendsten Romane.

Lieblingsschreibplatz? Mittendrin im Leben oder lieber in aller Ruhe?

Am liebsten mittendrin. Entweder mit „Schlepp-Top“ im Biergarten, auf einer Parkbank, mindestens aber in meinem Wohnzimmer mit Blick nach draußen.

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Liest du auch gerne? Hast du dazu überhaupt noch Zeit? Immerhin hast du ja zwei bezaubernde Kinder? 

Theoretisch liebe ich lesen. Praktisch habe ich dafür momentan tatsächlich kaum Zeit. Ich markiere mir aber sämtliche Bücher, die mich interessieren, auf meinem Amazon-Wunschzettel. Der Plan für meine Zeit als Rentnerin steht also: Ich werde einen Belletristik-Marathon absolvieren. Mein Mann sollte die Stunden bis dahin mit mir genießen, ich werde sehr lange nicht ansprechbar sein.

Was würden wir denn in deinem Bücherregal finden?

Mein Bücherregal, das momentan in Form von Umzugskisten in unserem Keller steht, ist extrem schizophren bestückt. Lieberomane mit Schuss und Thriller mit Wumms. Entweder total romantisch oder extrem blutrünstig – ich könnte mich nicht entscheiden, welches Genre ich lieber lese.

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Hast du auch ein Lieblingsbuch?

Auf meiner persönlichen Bestsellerliste/ Sparte „Thriller“: Evil von Jack Ketchum. Ein Roman wie ein Fausthieb. Kraftvoll, schmerzhaft, eindrücklich.

Auf meiner persönlichen Bestsellerliste/ Sparte „Romantik“: Zwei an einem Tag. Es ist eines dieser Bücher mit der Wuuuuaaaaa-Nein?!-Das-gibt’s-doch-nicht-ich-muss-mich-verlesen-haben-Moment-ich-blätter-nochmal-zurück-Oh-mein-Gott-es-ist-wirklich-passiert-Stelle. Was für eine großartige Geschichte! Emma und Dexter haben sich in mein Herz geschlichen und sind dort geblieben.

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Liest du auch deinen Kleinen vor?

Natürlich! Sie lieben es! Und sie lieben es, MIR vorzulesen. Dabei plappern sie dann (meistens halten sie das Buch verkehrt herum) wilde Assoziationsketten vor sich hin: „Es war einmal ein Löwe, der kam zum Pumuckl weil es regnete, da war die S-Bahn nach Pasing und dann kam die Feuerwehr. Ende der Geschichte“ und imitieren dabei meine Vorlese-Stimme. Es sind diese Momente, die man abspeichert. Sequenzen, von denen man hofft, dass sie nie in Vergessenheit geraten und dass man sich, wenn man alt und runzelig ist, an das unbeschreiblich schöne Gefühl erinnert, das sie in einem ausgelöst haben.

Zukunftspläne? Auf was dürfen wir uns als nächstes freuen? 

Ich bastele gerade an Teil 2 von „30 Tage nach Tim“. Wenn ich meine ersten Entwürfe nicht in den Papierkorb (oder den WTF Ordner) verschiebe, wird Teil 2 ein Spinn-Off zu „30 Tage nach Tim“ aus der Sicht von Lisa. „30 Tage mit Ron!“ Meine Leser werden also einige alte Bekannte wieder treffen.

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Ihr wollt mehr über Berit erfahren? Hier findet ihr direkt zu ihrem Buch 30 Tage nach Tim und ihr findet die bezaubernde Autorin auch auf Facebook

Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim lesen und stöbern

Sabine

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PS das sind keine Schreibfehler sondern Spezialeffekte meiner wirklich bösen Tastatur

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