Yvonne Holthaus über das Schreiben, Mut und Mord

Autorenvorstellung
„Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann liegen die Schatten hinter dir“
So lautet ein afrikanisches Sprichwort und ist zugleich, die Widmung im Buch Mit dem Gesicht zur Sonne, aus der Feder einer Autorin, die ich euch heute etwas näher vorstellen möchte. Sie schrieb mit 38 ihre Biografie und hat damit nicht nur mich berührt. Jetzt fragt ihr euch: Mit 38? Wie kann man denn da schon seine Biografie schreiben? Ich gebe es gerne zu, das habe ich mich auch gefragt. Aber dann lernte ich diese Frau kennen, tauchte ein in die Story ihres Lebens und war gefesselt. Nicht nur vom Erlebten, sondern von einer Autorin, die mit ihrer eigenen Geschichte anderen Menschen Mut macht. Den Mut weiterzumachen, nicht aufzugeben, durchzuhalten, zu kämpfen. Am letzten Freitag war sie zu Gast beim SWR Nachtcafe mit Wieland Backes und deshalb freu ich mich, das ich endlich mal diesen Satz sagen kann:
Eben noch auf der Showbühne und nun bei mir auf dem Blog zu Gast
Meine Lieben, die bezaubernde Yvonne Holthaus
(c) by SWR - Yvonne zu Gast bei SWR-Nachtcafe mit Wieland Backes

(c) by SWR – Yvonne zu Gast bei SWR-Nachtcafe mit Wieland Backes

Ich lernte Yvonne auf der Frankfurter Buchmesse kennen und wusste nach nur wenigen gewechselten Sätzen schon , das sie ein besonderer Mensch ist. Sie verzauberte mit ihrer offenen und herzlich, lustigen Art, natürlich wurde ich dann ganz schnell neugierig auf ihr Buch Mit dem Gesicht zur Sonne und auf die Frau dahinter.

 

Buchmesse Frankfurt 2014

Buchmesse Frankfurt 2014

Die Autorin erzählt in ihrem Buch wie sie mit 17 Jahren beschloss, ihr nach außen so perfektes Elternhaus zu verlassen, um auf eigenen Beinen zu stehen. Es begann eine Zeit mit mehr Tiefen als Höhen und als sie durch eine Privatinsolvenz kaum noch die Kraft hatte, um weiter zu kämpfen und ihr Partner dazu anscheinend ein Doppelleben führte, erhielt sie die unfassbare Nachricht, dass ihre Mutter grausam getötet wurde. Das Unfassbare daran: Jemand, dem sie bis dato blind vertraute, war der Auftraggeber des Mordes.

 

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Über ihre Zusage, sich etwas Zeit für mich zu nehmen, freute ich mich sehr. Als ich zum vereinbarten Treffpunkt komme, sitzt Yvonne an einem der Tische vor dem Kaffeehaus und genießt mit geschlossenen Augen die Wärme. Mit fällt sofort der Titel ihres Buches ein, denn genauso sitzt sie hier nun und sieht so friedlich aus – Mit dem Gesicht zur Sonne

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Wir begrüßen uns, es wird gedrückt und man sieht Yvonne einfach an, dass es ihr gut geht. Selten habe ich eine Autorin getroffen, die so viel positive Energie versprüht. Sie ist einfach einer von den Menschen, die du kennenlernst und sofort magst. Einen Kaffee und einen Kakao später – ja Yvonne liebt Kakao 😉 – versuchen wir uns auf die Fragen zu konzentrieren, was nicht so einfach ist, denn Yvonne Holthaus ist auch eine der lustigsten Autorinnen die ich je traf.

*

Wann hast du gewusst, ich muss schreiben? Meine Geschichte anderen Menschen erzählen?

Yvonne: Hmm… also mein erstes Buch ist ja eine Biographie. Und da ich 1999 durch eine ziemliche Dummheit in Insolvenz geriet, war hier an sich das erste Mal die Idee geboren: „Boah, das muss ich möglichst vielen Leuten erzählen und erklären, damit sie nicht denselben Fehler machen wie ich!“.

Es passierte dann aber noch so viel, dass es auf einmal nicht nur ein Insolvenz-Ratgeber war, sondern eine ausgewachsene Biographie. Das Schreiben an sich hat mir aber in der Schule immer schon einen Heidenspaß gemacht und da war ich auch richtig gut. Gerade in freien Aufsätzen.
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Ich trinke einen Schluck meines Kaffees und sehe Yvonne nachdenklich an. Wie reagierte den ihre Umwelt, möchte ich gerne wissen? Yvonne erzählt mir, dass die Reaktionen genau wie von ihr erwartet waren, jedoch anders, als von manch anderen gedacht. Es hätte einige wenige gegeben, die befürchteten, sie könne durch ihren offenen Umgang mit der zugegeben heftigen Geschichte um den Mord in ihrer Familie, irgendwie stigmatisiert werden. Gerade da sie ja sehr ländlich, dörflich wohne.
Yvonne: ICH hatte diese Befürchtung jedoch nie. Denn tief in mir wusste ich, dass die Menschen meine Botschaft dahinter – nämlich sich nicht unterkriegen zu lassen – verstehen und entsprechend würdigen würden.
(c) by SWR

(c) by SWR

 

Als ich Yvonne frage, ob sie als fleißige Autorin überhaupt noch Zeit habe ein Buch in Ruhe zu lesen, lacht sie erst mal.
Yvonne: Die korrekte Frage wäre: „Hast Du als Autorin inkl. Selbstvermarkterin, Mutter eines 3-Jährigen, 2-fache Hundemama, Therapeutin in eigener Praxis und Lehrbeauftragte der Uni Passau überhaupt noch Zeit zu lesen?“ Und die Antwort hierauf müsste an sich lauten: „Nein.“ Stimmt aber nicht. Es ist nur nicht ganz so viel Zeit, wie ich gerne hätte, das gebe ich zu.
Yvonnes Bücherregal - vorher

Yvonnes Bücherregal – vorher

Und dann frage ich sie natürlich, was wir denn in ihrem Bücherregal finden würden? Und wieder lacht sie, holt ihr Handy aus der Tasche und zeigt mir Bilder, die sie gerne für uns geschossen hat.
Yvonne: Witzigerweise Bücher, die ich (ungelogen!) gerade eben beim Komplett-Ausräumen meines Bücherregals wiederentdeckt und dort nicht vermutet hatte. Und dabei auch beschlossen habe, etliches auszumisten, das da nun wirklich nicht mehr reingehört. Schlimm ist ja, dass die Bücher schon zweireihig hintereinander stehen, weil ich sie sonst nicht alle unterbekomme.
Yvonnes Beweisfoto

Yvonnes Beweisfoto

Was aber bleiben wird, ist meine mannigfaltige Literatur über Psychologie, Hypnose und sonstige Geisteswissenschaften. Ebenso wie meine Tauch-, Reise- Hunde- und Zeichnen-Literatur. Die Kochbücher werden schnellgriffiger zurück einsortiert und die Schwangerschafts- und Erziehungsratgeber dürfen getrost einen neuen Besitzer finden. (Wer will, wer will? Bitte einfach melden! )
Fiction-Literatur ist dann eher dem kleinen Raum zuzuordnen, den mein Mann im Regal
für sich beanspruchen darf. Es sei denn, es handelt sich um Hörbücher: das sind dann
wiederum meine.
Buchregalteil_leer
Als der Kellner wieder an uns vorbei huscht, nutzen wir die Gelegenheit und bestellen, dieses mal beide, einen Kakao. Tja zu heißer Schoki kann ich eben nicht lange nein sagen. Ich frage nach ihrem Lieblingsbuch und Yvonne sagt “ Achtung Klischee!“  
Sie liebe „Der kleine Prinz“ und werde sich das auch nicht abgewöhnen. Toll fände sie auch „Ratschläge des Herzens“ von XIX. Dalai Lama und die „Die Reisen der Seele“ von Dr. Michael Newton. Yvonne betont aber auch, sie wäre nicht wirklich eine Eso-Tante, aber sie erhalte sich im Inneren ihre persönliche Philosophie und versuche, danach zu leben, ohne sich zu verbiegen.
Während der Kellner unser Bestellung bringt – wirklich ein toller Service! – erzählt mir die Autorin was sie Inspiriert.
Lieblingsbücher
Yvonne: Ich hole mir meine Inspiration – ungelogen – oft aus meinen Träumen. Und da ich davon überzeugt bin, dass ich, von wo auch immer, in genau dieser Zeit des Träumens die richtigen Dinge „gesagt“ oder „gezeigt“ bekomme, sehe ich dies als meine Inspirations-Quelle an.
 *
Yvonne nimmt lächelnd ihren Kakao und lässt sich einen großen Schluck schmecken, ja da liebt jemand Schoki genauso sehr wie ich. Er ist aber auch wirklich super lecker, aber ich schweife ab…… Hast du einen Lieblingsschreibplatz?
Yvonne: Mein Schreibplatz ist an sich immer dort, wo ich mich für genau diesen Abschnitt wohl fühle. Das kann dann durchaus auch wechseln, mal die Couch sein, mal meine Praxis, dann aber wieder der übliche Schreibtisch.
Ich glaube daran, dass meine Inspiration auch immer ein Stückweit mit der Energie des jeweiligen Platzes zusammenhängt und ich mich daher nicht festzementiere, nur, weil es sich gehört, am Schreibtisch zu arbeiten. (Und nein, er ist NICHT immer so unaufgeräumt wie aktuell… aber oft.)
 
Schreibtisch (1)
Ihr größter Kritiker sei sie, unangefochten, übrigens selbst. Auch dies sei zwar klischeehaft, aber ihr Mann wäre zum Beispiel, viel unkritischer als sie selbst.
Yvonne:  Bestes Beispiel: wenn ich ein gekochtes Essen furchtbar finde und mich aufrege und er das überhaupt nicht verstehen kann, weil es ihm schmeckt.
*
Langsam, aber immer schneller verrinnt die Zeit, fliegt nur so dahin und unser Treffen neigt sich dem Ende zu. Klar lass ich sie nicht gehen ohne mir zu verraten, wie ihre literarischen Zukunftspläne aussehen. Auf was dürfen wir uns als nächstes freuen?
Yvonne: Joah, die Menschen, die mein Buch gelesen haben, schreien ständig danach, dass ich doch einmal schreiben soll, WIE man es schafft, immer wieder aufzustehen und nicht aufzugeben. Ich selbst stehe dem immer noch etwas kritisch gegenüber, weil ich niemand bin, der den 150.000 Ratgeber auf den Buchmarkt werfen möchte. Aber ein wichtiges Gespräch letzte Woche mit einem Dr. der Philosophie hat mir eine Sichtweise eröffnet, die mir so noch nicht richtig bewusst war: ich habe nicht nur Impulse zu geben, sondern weiß aus eigener Erfahrung, was wirkt und was nur Gelaber ist. Ich denke, das könnte ein guter und authentischer Ansatz sein.
*
❤ Liebe Yvonne, Danke für deine Zeit und das tolle Gespräch ❤ Fühl dich gedrückt und geknuddelt und ……. siehst du alles in HOCHDEUTSCH, wir Pfälzer können das …lach
 Yvonne zu Gast beim SWR Nachtcafe – wer dem Link folge, kann sich die Autorin im Gespräch mit Moderator Wieland Backes ansehen (Sendung vom 24.10.2014 zum Thema „Worauf es im Leben ankommt“)
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Mehr über Yvonnes Buch findet ihr  auf Yvonnes Homepage “ Mit dem Gesicht zur Sonne „ Dort erfahrt ihr noch mehr über die Autorin, ihre Projekte, ihren interessanten Beruf und, und, und ….
Ich wünsch euch viel Spaß beim lesen und stöbern
Sabine
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PS das sind keine Schreibfehler sondern Spezialeffekte meiner böse Tastatur
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